Oh! Calacatta! – 3 kleine Marmorbäder und eine Symphonie

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MÜNSTER. Masterbad, Kinderbad und Gäste-WC – die durchaus schwierigen Grundrisse der drei vergleichsweise kleinen Räume eines Einfamilien-Neubaus bedeuteten kreative Herausforderungen bei der Planungs-Aufgabe. Nicht zuletzt, da jedes Bad – trotz gleicher stilistischer Handschrift – seine eigene Note erhalten sollte. Die raumspezifischen Besonderheiten sollten durch einen gemeinsamen Nenner geeint werden: Calacatta – eine einzigartige Optik. Äußerlich eher unauffällig im Erscheinungsbild, überrascht das Innere des Einfamilienhaus-Neubaus mit seiner einladenden, geschmackvollen Atmosphäre -der konsequenten Gestaltungslinie der Wohnräume folgend, wünschten sich die Bauherren für alle Bäder den typischen baqua-Stil – minimalistisch, funktional und vor allem gradlinig.
Der unbedingte Wille, etwas Außergewöhnliches aus bzw. in diesen Räumen zu schaffen trieb beide Seiten an – verlangte von den Bauherren aber auch den Mut, neue Wege zu gehen und sich auf unkonventionelle Lösungen – insbesondere auf ein bis dato unbekanntes Oberflächenmaterial – einzulassen. Bereits in einem vorherigen Projekt hatten die Bauherren das baqua-Duschsystem sowie ein Badmodul verbauen lassen. Ein schöner Beratungs- und Planungseinstieg, da das Design und der Qualität unserer Produkte vertraut war. Die nachfolgende Dokumentation zeigt das beeindruckende Ergebnis der erfolgreich gemeisterten, planerischen Herausforderungen.

Masterbad

Herausforderungen: schmaler Grundriss und zwei Dachschrägen. Das Hauptbad hat einen – aus planerischer Sicht – sehr schwierigen Grundriss. Die beiden Dachschrägen schneiden einen großen Teil ab und die körperhohen Mittelsegmente benötigen eine freie Durchgangsfläche für ein Fenster und eine Schiebetür. Das Bad sollte sämtliche Funktionen erfüllen und dabei trotzdem viel Stauraum bieten. Weiterhin sollte es freundlich, hell und großzügig wirken. Um allen Anforderungen gerecht zu werden, kam baqua die Idee der großen, multipel nutzbaren Dusche.

Offene Duschen sind barrierefrei, großzügig, pflegeleicht und preiswert. Das Besondere: Die zurückhaltende Designsprache sorgt für optisch größere Räume. Offene, in den (Wohn-)Raum integrierte Walk-In-Duschen können selbst als komfortable Durchgänge genutzt werden. Das ist nicht nur funktional, sondern auch schick. Als besonders elegante Lösung zeigt sich hier die Bodengleichheit des Duschbodens. Das nicht vorhandene Gefälle lässt das die Dusche als selbstverständliches Raumelement optisch verschwinden. Wir von baqua sprechen von der unsichtbaren Dusche. Freistehend und offen in Bad oder Schlafzimmer platziert, ohne Fliesen und Fugen, bodengleich und pflegeleicht, ermöglicht sie komfortablen Duschgenuss. Ermöglicht wird diese Lösung durch das patentierte Prinzip der umlaufenden Duschrinne von baqua.

Die jeweiligen Dachschrägen konnten auf der einen Seite mit einem WC und tiefer Duschbank ausgenutzt werden. Die funktionale Trennwand schafft nicht nur einen Sichtschutz zum Schambereich sondern wurde als exaktes Möbel konzipiert und beherbergt eine durchgängige Lichtnische zum Abstellen von Shampooflaschen und ein integriertes WC Bürstenfach plus Papierrolle. Auf der anderen Seite wurde die Dachschräge komplett ausgenutzt und die körperhohen Schränke links und rechts wurden perfekt an die Schräge angepasst und somit sind die Schränke unten schön tief und verjüngen sich nach oben mit der Schräge. Die Schublade unter dem Waschtisch lässt sich komplett ausziehen und bietet fast eine Auszuglänge von 90 cm. Der Klappschrank oberhalb des Waschtischs dient ausgeklappt als Ablagefläche und beherbergt kleine Utensilien, die direkt griffbereit liegen.

Der Waschtisch selbst bietet eine beleuchtbare Abstellfläche nach innen und die Waschschüssel wurde so angeordnet, dass der Waschbereich von drei Seiten bedienbar ist. Das hat den Vorteil, dass durch den Brunneneffekt, der Waschtisch für bis zu drei Personen genutzt werden kann. Diese Form der Waschtischplanung bietet einen viel höheren Nutzen und mehr Stauraum als ein Doppelwaschtisch. Denn man benötigt keine zwei Waschtische, denn Wasser wird verhältnismäßig wenig genutzt, eigentlich nur zum Zähneputzen und zum Waschen der Hände und des Gesichts – alles Anwendungen, die wenig Zeit und Platz beanspruchen. Wichtiger ist es versteckten Abstellraum zu generieren für elektrische Zahnbürsten, Föhn und Pflegeprodukte. Man schließt einfach die Schränke und alles wirkt immer aufgeräumt. Kennt nicht jeder diese großzügigen Design-Doppel-Waschtische, die im Alltag voll mit Utensilien stehen? Dem wirken wir mit unseren baqua-Badmodulen immer geschickt entgegen.
Die Waschschüssel auf der Calacatta-Waschtischkonsole und der Handtuchhalter aus wohlriechendem Zirbenholz verleihen dem Waschbereich eine einladende Erscheinung. Der Handtuchhalter kann bei Bedarf komplett in das Möbel eingeschoben werden. Die reduzierte Armaturkomposition mit dem versteckten Thermostat im Badmöbel sowie die vielen Schrankflächen verblüffen so manchen Besucher.

Zwei Dachfenster einzusetzen, erwies sich als vorteilhafte Lösung: tagsüber wird das Dachgeschossbad großzügig mit Licht durchflutet. Am Abend sorgen die fein abgestimmten Nischenbeleuchtungen für atmosphärische Lichtinszenierungen. Last but not least: das fast fugenlose Bad ist sehr pflegeleicht. Die ebenen Duschflächen lassen sich sogar von diversen Wischrobotern befahren.

Kinderbad

Herausforderungen:
kleiner trapezförmiger Grundriss und zukunftsfähige Badgestaltung

Trotz seines kleinen, trapezförmigen Grundrisses beherbergt das Kinderbad sämtliche Badeinrichtungen – selbst eine Badewanne. Durch die intelligente Aufteilung ergänzen sich die einzelnen Bereiche untereinander – ein wertvoller Zusatznutzen. Es wurden die verschiedensten Wünsche verwirklicht: ein verstecktes WC, eine große Dusche mit Licht- und Shampoo-Nische, viel Stauraum und funktionalen Ablageflächen sowie ein einladender Badebereich mit Blick in den Garten. Das nachhaltig und funktional geplante Kinderbad sollte gleichermaßen die Anforderungen für die Kinder im Hier und Jetzt erfüllen – sowie die im zukünftigen Teenageralter.
Um die gewünschte Gradlinigkeit des Gestaltungskonzepts zu bewahren, wurde die Badewanne im rechten Winkel zu den Hauptwänden gestellt und die Diskrepanz als Ablagefläche genutzt. Die Armaturen wurden in einem vorgelagerten Revisionsblock gesetzt. Die Walk-In-Dusche punktet mit den fugenlosen Flächen, dem zeitlosen Minimalismus und den auflockernden Lichtnischen. Um diese künstliche Nische zu erzeugen, haben wir ein baqua-Badmoul eingesetzt. So konnten auch die Unterbauten der Armaturen problemlos eingesetzt werden.

Die vorgesetzte künstliche Wand bietet darüber hinaus „Futter“ für faszinierende Lichtinszenierungen. Dieser Raum wird komplett über die baqua-Badmodule beleuchtet. Auf diese Weise konnte die Decke unberührt bleiben. Als besonders Highlight punktet das perfekt auf den Raum zugeschnittene Design-Badmöbel mit indirekter Beleuchtung, reichlich Stauraum in dem flächenbündigen Hochschrank mit verspiegelter Frontklappe, einem geräumigen Waschtischunterschrank für Putzmittel und einem versteckten WC – Bürstenfach mit darüber liegenden, separierten Regalfächern. Die flächenbündigen Schränke öffnen passend zu den jeweiligen Bereichen und bieten trotz ihrer geringen Tiefe, sehr viel praktischen Stauraum für schnell sortierte und griffbereite Utensilien.

Die WC-Nische ist Beleuchtungselement und dient als Schaufenster für Dekorationsartikel. Die technischen Installationen für die WC-Spülung und dem Waschbereich wurden intelligent in dem Badmodul versteckt.
Der Waschtischbereich überzeugt mit einem eingelassenem Waschbereich und einem großzügigen Spiegel mit umlaufender LED-Beleuchtung für ein perfekt ausgeleuchtetes Gesicht.

Der fugenlose Waschtisch aus Corean ist auf den mm genau eingearbeitet und die Prallplatte in der Waschtischmitte, die das Wasser umlaufend abfließen lässt ist höhenverstellbar. So lässt sich ein niedriges Flachbecken generieren – aber auch ein planer Waschtisch ohne Gefälle im typischen baqua-Look.

Die unkonventionell angeordneten Armaturen sind echte Designklassiker von Dornbracht und Sieger Design: die Tara- Kreuzgriffe. Platziert nicht – wie typisch – unten am Waschtisch, sondern eine Ebene höher unter der Spiegelablage. Durch diese Platzierung fallen Sie mehr ins Auge und bieten zudem noch eine komfortable Bedienung. Der Wasserauslauf ist ein schwenkbarer Nippel und nur in gebückter Haltung zu sehen. Diese Komposition unterstreicht die Klarheit des Bades und lenkt den Blick auf die wesentlichen Elemente.

Gäste WC

Das Gäste WC mit dem trapezförmigen Grundriss ist geschickt aufgeteilt und greift den Stil der anderen Bäder auf. Das geflieste Badmodul beherbergt alle technischen Installationen sowie ein WC-Bürstenfach, zwei Unterschränke für Putzmittel und eine Handtuchnische.
Der raumbreite Spiegel sorgt für eine optische Vergrößerung des sehr kleinen Raums und beheimatet oben eine LED-Einheit zur indirekten Beleuchtung. Besonders der baqua-Flachwaschtisch als Slim Edition überzeugt durch seine filigrane Optik. Die auf den ersten Blick geringe Materialstärke des Calacatta und die unkonventionelle Gestaltung ohne konkaves Becken hinterlassen bei den verblüfften Gästen einen nachhaltigen Eindruck.
Gerade bei Gäste-WC-Anlagen in kleinen, schmalen Räume ist der Sichtwinkel bedingt durch die Körperhöhe oft sehr spitz. Das macht die Sicht auf die schmale Unterkonstruktion des Flachwaschtisches nur in gebückter Haltung möglich.

Gäste erkennen nur die schmale Waschtischplatte, auf der das Wasser magisch abzulaufen scheint.
Die fein polierten Oberflächen sorgen zudem für einen schönen Kontrast zu den weißgestrichenen Putzflächen, dem industriell wirkenden Sichtestrich sowie den Sichtbetondecken, welche unberührt blieben. Die Beleuchtung erfolgt komplett durch Tageslicht und das indirekte Lichtkonzept des baqua Gäste-WC-Moduls. Lichtstimmungen selbst sind via Dimmer einstellbar.

Fazit

Mit den Bauherren gestalterisch auf einer Wellenlänge befindend, traf bereits der erste Entwurf ins Schwarze. Der gemeinsame Stil und die Lust auf Reduktion stellten erneut die Grundlage für anspruchsvolle Badgestaltung dar. Das Grundkonzept wurde bis zur Fertigstellung beibehalten. Veränderungen und Weiterentwicklungen fanden insbesondere im Detail statt: So entwickelte sich u. a. die Idee, das Badmodul im Masterbad komplett zu verspiegeln, um diesem – als Dachschrägenbad – optisch mehr Größe zu verleihen. Auf den Bildern lässt sich nicht annährend wiedergeben, wie groß der kleine Raum durch den 4 m2 Spiegel wirklich wirkt. Insbesondere im Zusammenspiel mit der offenen Dusche und der hellen Farbgestaltung der Calcatta-Oberflächen.

Für das Kinderbad wurde ein neues Produkt entwickelt: Ein Waschtisch, der als niedriges Flachbecken sowie als Flachwaschtisch genutzt werden kann. Ebenfalls ein Novum in der baqua-Geschichte: im Gäste WC haben wir zum ersten Mal ein komplett befliesbares Möbel mit Stauräumen und verstecktem WC Bürstenfach geschaffen.

Zum Material: Die kleinen Bäder wurden bewusst hell gestaltet. Auf diese Weise konnte die feine, edle Calacatta-Optik exzellent zur Wirkung gebracht werden. Der raue Zementputz wurde einfach weiß gestrichen, um einen sanften Strukturkontrast zu den polierten Fliesenoberflächen zu erzeugen. Die zusätzliche indirekte Beleuchtung betont diesen Struktur-Kontrast durch die flächige Beleuchtung der wellig gebrochenen, matten Oberfläche und schafft zusätzlich eine wohlige Atmosphäre. Um so wenig Materialien wie möglich einzusetzen, wurden Böden und Dusch-Wandflächen aus einem Material gefertigt.

Die Calacatta-Optik verzückt mich als Badgestalter seit jeher. Seit Jahren war es mein Wunsch, dieses zeitlose Material einzusetzen, zumal dieses in Kürze eine Renaissance erlebt. Bereits in der Beratungs- und Vorplanungsphase habe ich gewusst: jetzt ist es soweit – das sind die richtigen Auftraggeber für dieses schöne Material! Und so war es auch: die Kunden verliebten sich direkt darin. Die Liebe war so groß, dass die Auftraggeber das Material nur anhand der Visualisierungen und eines kleinen Musters auswählten – ohne vorab die Fliesen als ganze Rohtafel gesehen zu haben. Der ausführende Fliesenlegerfachbetrieb war sichtlich überrascht und konnte es anfangs nicht glauben, dass die Bauherren Calcatta ohne Besichtigung der Rohtafeln verbaut haben möchten. Nach einigen Rückfragen, ob Sie es wirklich nicht sehen wollten, begannen die aufwendigen Fliesenarbeiten.

Bei der Badgestaltung wurde auf den maximal möglichen Verzicht von Fugen geachtet. Sogar auf sichtbare Silikonfugen wurde weitestgehend verzichtet. Die gefliesten Flächen wurden mit der großen Dünnkeramik von Graniti Fiandre gestaltet. Ausgeführt wurden die Verlegearbeiten von der Fa. Fliesen Kölking & Wobbe. Hervorragend und auf den mm genau – mit Hilfe teurer Vermessungstechnik und exakten CNC-Bearbeitungsmaschinen.

Neben den – das Potential der Architektur ausschöpfenden – Raumplanungen, den individuellen Produktlösungen sowie der einfachen aber wirkungsvollen Lichtgestaltung ist auch der Umgang mit den Armaturen einzigartig. So wurden im Kinderbad die Designklassiker von Dornbracht/Sieger Design als Gestaltungselement eingesetzt und unkonventionell verortet. Diese Verortung ist sehr funktional und wird gerne bedient. Der schwenkbare Wasserauslauf ist dabei nur in gebückter Haltung zu erkennen. Im Masterbad ist nur ein einfacher Auslauf eingesetzt – sonst keine weiteren Bedienungselemente, um den gewünschten Minimalismus zu erhalten. Falls doch mal die Temperatur gewechselt werden soll, ist ein Thermostat im Badmodul bedienbar.

Die oben beschriebenen Ausführungen verdeutlichen die Herausforderung des Planungsprozesses: Für jedes der drei Bäder galt es individuelle Ansprüche hinsichtlich Raum, Form und Funktion zu erfüllen – bei einer stringent durchgezogenen gestalterischen Linie. Nach der vollendeten Planungsphase übergaben wir das Projekt an zwei Partnerunternehmen, die mit den Bauherren die Umsetzung realisierten. Eine weitere Besonderheit: die Bauherren haben – in Absprache mit baqua – dass Projekt selbstständig bis zu dessen Fertigstellung koordiniert.

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